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Pressemitteilung 203/2012

20.06.2012 - 203/2012
Landkreis Freyung-Grafenau / Natur und Umwelt
Bayerische Klimawoche – Moorrenaturierung im Landkreis Freyung-Grafenau
Regierung und Landesbund für Vogelschutz informieren in Vorderfreundorf

Moorrenaturierung im Landkreis Freyung-GrafenauMoore brauchen Wasser – da sind
Entwässerungsgräben völlig fehl am Platz.
Darum machen Regierungspräsident Heinz
Grunwald (rechts), LBV-Vorsitzender
Ludwig Sothmann (vorne links) unter der
Beobachtung von Grainets Bürgermeister
Kaspar Vogl, stellvertretendem Landrat
Helmut Behringer (von links) und LBV-
Kreisgruppenvorsitzendem Erich Völk (Mitte)
einen solchen Graben dicht.

Moore sind als biologische Kohlendioxidspeicher wichtig für den Klimaschutz und Hotspots der biologischen Vielfalt obendrein. Anlässlich der Bayerischen Klimawoche haben die Regierung von Niederbayern und der Landesbund für Vogelschutz über die Bedeutung von Mooren für Natur und Umwelt in der Region informiert. Im Hochmoor am Osterbach in Vorderfreundorf (Grainet) im Landkreis Freyung-Grafenau, das der Landesbund für Vogelschutz (LBV) erworben hat, sprachen Regierungspräsident Heinz Grunwald und LBV-Vorsitzender Ludwig Sothmann über die erfolgreiche Renaturierung des Moores im Rahmen des Klimaprogramms Bayern 2020 (KliP 2020).

„Jeder redet zwar von der Energiewende, bei der es eigentlich um Klimaschutz geht“, sagte Grunwald, „aber um den konkreten Klimaschutz vor Ort kümmern sich jetzt kaum mehr Menschen als vor Fukushima.“ Dabei sei es wichtig, jedes Gramm an klimaschädlichen Gasen in der Luft zu vermeiden. Und dafür seien die Moore unverzichtbar. Moore speichern laut Grunwald pro Hektar Fläche sechsmal so viel Kohlenstoff wie Wald. „Das macht deutlich, warum es auch wichtig ist, selbst kleine Moore wie dieses hier zu schützen.“

Grunwald dankte allen Beteiligten um LBV-Kreisgruppenvorsitzenden Erich Völk und Gebietsbetreuer Bernd Kannenberg für den Erhalt des Moores. Gleichzeitig bat er darum, dass sich der LBV, andere Umweltverbände, Landkreise und Gemeinden auch künftig für den Moor- und Klimaschutz engagieren. Der Staat unterstützt das im Rahmen des Klimaprogramms Bayern 2020. Zwischen 2008 und 2011 sind mehr als eine Million Euro Fördermittel für den Grunderwerb und konkrete Maßnahmen nach Niederbayern geflossen. Damit konnten 25 Moore mit mehr als 80 Hektar Fläche gekauft und optimiert werden.

„Die Renaturierung des Moores am Osterbach ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Behörden und ehrenamtlichen Naturschützern“, sagte Sothmann. Der LBV investiere gern in solche Projekte, weil es sich doppelt lohne: „Wir haben hier eine Win-Win-Situation für den Klimaschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt.“

Das Moor sei zum einen wertvoller Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten wie Kreuzotter, Sonnentau und Fieberklee. Zum anderen speichere das Moor eine Kohlendioxid-Menge, die dem Schadstoffausstoß eines Autos über Jahre entspreche. „Das muss man mit moderner Technik erst einmal schaffen.“
Darum werde sich der LBV auch weiterhin für den Moorschutz einsetzen. „Ich fordere ein Entwässerungsverbot für Moore ohne Wenn und Aber“, sagte Sothmann. Denn nur auf das Prinzip der Freiwilligkeit, also die Eigeninitiative von Grundbesitzern, Land- und Forstwirten und Kommunen, könne man beim Natur- und Klimaschutz in Bayern nicht bauen. „Wir brauchen mehr konkrete Vorgaben vom Staat.“

 

Informationen zu Mooren

  • Moore entstehen dort, wo Wasser im Überschuss vorhanden ist. Beispiele sind hoch anstehendes Grundwasser oder in niederschlagsreichen Gebieten gestautes Regenwasser.
  • Abgestorbene Pflanzen zersetzen sich wegen der Nässe und des damit einhergehenden Luft- bzw. Sauerstoffmangels nicht und lagern sich ab. So entsteht langsam eine Torfschicht, die nur um höchstens einen Millimeter pro Jahr dicker wird.
  • Man unterscheidet grob zwischen Nieder- und Hochmooren. Niedermoore werden vom Grundwasser beeinflusst. Hochmoore sind wie ein Uhrglas über dem Gelände gewölbt und werden nur mit Regenwasser gespeist. Dadurch sind sie sehr nährstoffarm.
  • In Bayern sind mehr als 600 Pflanzenarten und mehr als 1000 Tierarten auf intakte Moore angewiesen. Damit sind Moore sehr wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt.
  • Moore sind wichtig für den Hochwasserschutz, weil sie wie ein Schwamm Wasser aufnehmen können.
  • Moore sind natürliche Kohlenstoffspeicher. Sie entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid und lagern es dauerhaft ein. Wird ein Moor trockengelegt, werden das Kohlendioxid und das mehr als 300-mal klimaschädlichere Lachgas freigesetzt. Wenn man Moore nicht austrocknen lässt, können pro Hektar Fläche und Jahr bis zu 20 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

Moore werden bedroht durch

  • Entwässerung
  • Grundwasserabsenkung
  • Torfabbau
  • intensive landwirtschaftliche Nutzung
  • Nährstoffeintrag
  • Verbuschung und Aufforstung

Laut Expertenschätzungen sind 95 Prozent der bayerischen Moore zerstört oder geschädigt.

Die Bayerische Klimawoche findet 2012 bereits zum fünften Mal statt. Sie soll die Bürger in dieser Zeit besonders für den Klimawandel sensibilisieren. Die Bayerische Klimawoche spricht bayernweit alle Bevölkerungs- und Altersgruppen mit vielfältigen Veranstaltungen an: Exkursionen in die Natur, interessante Vorträge, informative Ausstellungen, Energieberatungen oder Workshops, die zum Weiterdenken und Mitmachen anregen.

Weitere Informationen zur Bayerischen Klimawoche unter www.klimawoche.bayern.de.